2007-02-08-News

Es ist schon lustig. Man sagt, wenn ein Hobbyastronom sich einen neuen Ausrüstungsgegenstand kauft, ist drei Wochen lang das Wetter so schlecht, dass nicht beobachtet werden kann. Und irgendwie scheint da etwas wahre daran zu sein. Ich habe mir Anfang Januar erlaubt, einen Off-Axis Guider zu besorgen. Und schon hat es zwei Wochen lang gestürmt und eine Woche geregnet. Somit war der Januar nur sehr begrenzt brauchbar.

Nun aber zu dem Neuling im Okularkoffer:
Einen Off-Axis Guider benötigt man, um ohne Leitrohr trotzdem bei Belichtungen nachführen zu können. Er besteht aus einem Metallrohr, welches zwischen Teleskop und Kamera eingeschraubt wird. In diesem Metallrohr ist seitlich ein kleines Glasprisma, welches einen Randstrahl ablenkt und in ein Fadenkreuzokular lenkt. Man kann dieses Fadenkreuzokular natürlich auch ersetzen. Zum Beispiel durch eine Kamera. Man kann also auf diese Weise auch Langzeitbelichtungen machen.

Das wollte ich natürlich gleich ausprobieren, musste mich aber (durch diese Equipment-Wetter-Regel) einige Wochen lang gedulden. Am 24.Januar war es dann soweit: das Wetter hatte mit mir erbarmen und senkte den Bedeckungsgrad auf etwa 25%. Ich natürlich sofort auf den Balkon gestürzt und das Teleskop aufgebaut. Als Testobjekt wurde der Andromedanebel ausgewählt. Zugegeben, es war das einzige Objekt, welches durch meinen sehr begrenzten Himmelsausschnitt möglich war. Denn alle Lichtschwächeren Objekte wurden durch den Halbmond, welcher sich genau in der Mitte meines beobachtbaren Himmelsausschnittes befand, überstrahlt. Also musste M31, der Andromedanebel herhalten. Es waren wirklich schlechte Verhältnisse, denn Windböhen machten zeitweise das Teleskop sehr wackelfreudig. Aber trotzdem wollte ich wissen, was der Off-Axis Guider her gibt. Also habe ich Belichtet.
Und das kam dabei heraus:

Der Zentralbereich von M31

Bis auf einen kleinen Ausbruch bei der Nachführung (der Wind, der Wind, das himmlische Kind war schuld.... ehrlich!) bin ich hoch zufrieden! Es waren zwei Aufnahmen: einmal 10 Minuten bei ISO 400 und einmal 5 Minuten bei ISO 400. Beide wurden mit Photoshop übereinander gelegt und bearbeitet.
Jetzt warte ich nur noch auf einen guten Himmel und dann kanns los gehen!

Aber es hat sich ja noch viel anderes getan!
Ich habe zum Beispiel gelernt, wie man Rohdaten richtig bearbeitet! Gleich vorweg einmal herzlichen Dank an Michael, dass er sich die Zeit mit mir genommen hat und mir alles toll erklärt hat! Ich habe dadurch begriffen, wieviel Bildqualität man alein bei der Bearbeitung auf der Strecke lassen kann und wie man das vermeidet.

M51 in meiner bisherigen Bearbeitungsweise

Michael hat mir das anhand einer meiner Aufnahmen des Galaxienpaars M51 gezeigt. Im Bericht vom 29.12.2006 habe ich eine Aufnahme gepostet, die ich selbst bearbeitet habe. Man sieht die Spiralarme der großen Galaxie einigermaßen und in der kleineren Galaxie sieht man den zentralen Balken. Dieses Foto ist aus 8 Bildern zusammengesetzt, die von der Kamera als .jpg abgespeichert wurden. Dann hat die Kamera die Fotos aber auch noch im RAW-Format gesichert, also einem unkomprimierten Bildtyp. Der benötigt zwar mehr Speicherplatz, bitet aber für die Nachbearbeitung ein enormes Potential!
Michael hat die selben 8 Aufnahmen, die ich verwendet hatte bearbeitet - allerdings hat er nicht die .jpg Dateien genommen, sondern die RAW-Bilder! Und das ist der Knackpunkt, der mich bisher um sooo viele Details gebracht hat! Er hat die Bilder dann mit dem Programm "Fitswork" überlagert und anschließend im Photoshop nachbearbeitet. Und herausgekommen ist dabei dieses Bild:

M51 von Michael bearbeitet

Man sieht sehr deutlich die Spiralarme und sogar den Übergang zwischen den beiden Galaxien! Als Krönung kann man in der großen Galaxie sogar Staubbänder erkennen!!! Mich hat es damals fast vom Sessel geworfen, so beeindruckt war ich! Natürlich ist das Rauschen des Bildes grenzwertig, aber die Details sind vorhanden, die ich bisher selbst mit extremer Signalverstärkung nicht zeigen hätte können. Ab heute bedeutet das: Die Aufnahmeeinstellungen werden geändert. Das Signal-Rauschverhältniss ist bei ISO 400 für die Astrofotografie optimal. Alle Bilder werden nur mehr im RAW-Format erstellt um Verluste zu vermeiden. Bei wenigen Aufnahmen werde ich die Kamerainterne Rauschunterdrückung aktivieren, wenn ich eine Serie mache werde ich viele Darkframes machen und diese dann zu einem sogenannten "Masterdark" mitteln. Dieser wird dann von den Aufnahmerohdaten abgezogen.

Also wieder viiieel gelernt.....