2007-04-17-Bericht

Michaels Newton und mein Schmidt-Cassegrain fertig aufgebaut
M95 Balkenspiralgalaxie
M100 im Virgohaufen
M104 Sombrerogalaxie
M27 Hantelnebel
Wieder einmal: M57 Ringnebel
M51 Komposit

Ich fasse nun die letzen drei Beobachtungsnächte (Donnerstag, Freitag und Samstag) zusammen, da ich ehrlich gesagt den Überblick verloren habe, was ich genau wann gemacht habe. Manches zog sich ja auch über mehrere Nächte hin...

Aber als Erstes einmal ein Bild von Michaels und meiner Ausrüstung, fertig aufgebaut und bereit den Himmel einzufangen. Das Foto ist 60 Sekunden lang belichtet - es war ja stock dunkel! Durch die lange Belichtung sieht der Himmel im Hintergrund sehr hell aus. Was man hier sieht, ist der Rest des Streulichts von Wien und Wr.Neustadt.

Als nächstes möchte ich nun die Galaxien, die ich Aufgenommen habe hier zeigen. Ich fange mit der Galaxie M95 im Sternbild Löwen an. Diese war nämlich hart erkämpft. Leider sind dort nicht sehr viele Sterne, sodass das Aufsuchen per Sucherfernrohr etwas schwierig ist, wenn man die Galaxie noch nie gesehen hat. Nach 15 min. habe ich sie dann aber gefunden und mit der Belichtung begonnen. 4x600s bei ISO 400 habe ich mit der EOS 350D durch den C8 belichtet. Zur Nachführung verwendete ich bei zwei Aufnahmen den Lidl Refraktor als Leitrohr. Das stellt den Beweis dar, dass man mit 700mm Brennweite und einer Webcam durchaus 2000mm Nachführen kann!
Man sieht deutlich den Balken in der Mitte - M95 zählt zu den Balkenspiralgalaxien. Genau deshalb habe ich sie auch ausgewählt, ich habe nämlich noch keine Galaxie dieser Art fotografiert. M95 ist rund 38 Millionen Lichtjahre entfernt.

Die Galaxie M100 liegt im sogenannten Virgohaufen. Das ist ein Galaxienhaufen nörlich des Sternbildes Jungfrau (auch Virgo, deshalb Virgohaufen). Die Aufnahme besteht aus einer 600s Belichtung bei ISO 400 und 3x600s ISO 800. Die 4 kleineren Objekte in der Nähe von M100 sind ebenfalls Galaxien, die sich allerdings hinter der Galaxie befinden. Direkt oberhalb ist NGC4323, links oben ist PGC 040214, links von M100 ist NGC 4328 und rechts unten ist IC 0783A. PGC 040214 ist mit einer scheinbaren Helligkeit von 16,44mag schon verdammt Lichtschwach, darum bin ich auch stolz darauf sie am Foto zu haben.

Ich wollte auch die "Sombrerogalaxie" M104 fotografieren. Leider ist der Horizont auf unserem Beobachtungsplatz Richtung Süden so hoch, dass man nicht viel Zeit hat um zu Belichten. Ich habe sie leider nur mehr zwischen den Bäumen erwischt, also auch nur 8 Belichtungen zu je 30 Sekunden bei ISO 1600 gemacht. Man erkennt sie zwar, ich möchte aber trotzdem bald einige 600sec. Belichtungen von ihr machen. M104 ist ebenfalls im Sternbild Jungfrau und etwa 50 Millionen Lichtjahre entfernt.

So und jetzt kommt was neues hier: Ich habe nämlich den Lidl-refraktor mit gehabt. Das ist ein Linsenteleskop mit 70mm Öffnung und 700mm Brennweite. Mit dem habe ich einige Experimente gemacht, sowohl als Leitrohr (für den C8!!!) und auch so mit der Webcam. Das "auch so mit der Webcam" hat was schönes ergeben:
M27 - den Hantelnebel.
Das ist ein planetarischer Nebel, also ein Überrest eines Sterns, der seine äußeren Hüllen abgestoßen hat. Die Aufnahme ist zwar nur schwarz-weiß, aber sie ist mit der Webcam durch den Lidl-Refraktor aufgenommen. Das Foto ist das Ergebnis von 20 Belichtungen zu je 60 Sekunden mit der Webcam. Eigentlich war es "just-for-fun", ich hatte mir nichts großartiges erwartet - umso überraschter war ich als ich es sah! Der Nebel hat eine scheibare Helligkeit von 7,5mag und ist 1250 Lichtjahre entfernt.

Wo ich schon bei den planetarischen Nebeln bin: Hier nun das Highlight des ganzen:
Der Ringnebel M57
Irgendwie gefällt mir dieser recht gut. Also habe ich auch mit ihm Experimentiert. Ich habe ja zu Beginn der Woche schon 2x600s Aufnahmen gemacht. Als nun auch schöne Aufnahmen mit Webcam vorlagen, wollte ich versuchen, beide zu kombinieren. Dabei kam dieses Foto heraus. Die Farbinformation stammt von der EOS 350D, das S/W Bild der Webcam habe ich als Luminanzkanal (sprich Helligkeit) einfließen lassen. Ich bin wirklich überrascht, was diese Technik möglich macht! Eine solche Aufnahme wäre mit der EOS 350D nicht so leicht möglich gewesen.

Also habe ich auch noch M51 mit der Webcam belichtet. Eigentlich habe ich nur den Zentralbereich aufgenommen ,da die Webcam nur ein sehr kleines Gesichtsfeld hat. 17x30s Stammen von der Webcam und sind ebenfalls als Luminanzkanal in meine frühere Aufnahme mit der EOS 350D eingeflossen. Der Zentralbereich ist damit wesentlich besser Aufgelöst, als bei dem ursprünglichen Foto.

Ich bin so sehr beeindruckt von dieser Technik, dass ich beschlossen habe, mit ihr fortzufahren. Die Farbinformation hole ich mir in Zukunft über die EOS 350D und die Details über die Webcam. Das ist natürlich etwas beschränkt in der Auswahl der Objekte, da die Webcam nur ein kleines Gesichtsfeld hat und ich somit für große Objekte ein riesiges Mosaik erstellen müsste, was sich meist eher schwierig gestaltet. Aber kleinere Galaxien und planetarische Nebel sind damit gut möglich.
Allerdings sind auch einige Modifikationen an der Ausrüstung notwendig ums diese Technik effizient werden zu lassen. Unter anderem werde ich auf Autoguiding umsteigen. Außerdem werde ich eine weitere Webcam benötigen, um die S/W Webcam nachführen zu können. Dann kann ich auch wesentlich länger als nur 30 oder 60 Sekunden belichten um noch mehr Details heraus zu arbeiten.

Die Experimente haben sich also ausgezahlt und ich bin mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Eine schöne Woche, ein anstrengender Urlaub aber ein tolles Hobby!

-Robert

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